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Nationaler Tag der betreuenden Angehörigen

Herzlichen Dank für Ihr Engagement! - am 30. Oktober ist der nationale Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen

Angehörige leisten einen wesentlichen Beitrag in der Pflege und Betreuung von kranken und  behinderten Menschen. Die Motivation dieser Arbeit gründet meist in der emotionalen Beziehung zum bedürftigen Menschen. Man unterstützt, hilft gerne einem wichtigen Menschen, welcher auf Hilfe angewiesen ist. Das ist eine wesentliche Ressource in diesen nahen Beziehungen.

Die Betreuung eines psychisch belasteten oder erkrankten Menschen ist oft unsichtbar. Es sind weniger konkrete Hilfestellungen wie bei einer körperlichen Erkrankung, sondern oft mentale und emotionale Unterstützung und Begleitung im Alltag. Die Unterstützung geht jedoch auch noch weiter, etwa bei der Unterstützung oder Erledigung administrativer Aufgaben oder finanzielle Unterstützung. Da dieses Engagement oft über viele Monate oder Jahre andauert, müssen Angehörige gut auf sich, auf eigene Bedürfnissen und Grenzen achten, um nicht selbst krank zu werden.

Die psychiatrische Versorgung psychisch kranker Menschen ohne ihre Angehörigen wäre nicht nur undenkbar, sondern auch unmöglich. So leben 50 – 90% der schwer psychisch kranken Menschen unmittelbar nach der Akutbehandlung bei ihren Angehörigen (Lauber et al., 2003), Schätzungen zufolge werden 2/3 der chronisch psychisch kranken Menschen von und in ihren Familien betreut (Franz, Meyer, Gallhofer 2003). Dieses Engagement fusst meist auf den oben beschriebenen emotionalen Bindungen und einer inneren Verpflichtung, also einem wertvollen Gut in den Familien und Lebensgemeinschaften.

Die Psychiatrie tut gut daran, dieses Engagement zu würdigen, indem sie auf die Anliegen der Angehörigen eingeht. Das dem teils nicht so ist, beschreibt Hoff (2014) mit der Gefahr der Instrumentalisierung der Angehörigen durch einen falschen Machtanspruch des Therapeuten, dass Angehörige seine Mitarbeitenden sind. Etwa, Medikamente kontrollieren sollen oder den erkrankten Menschen beschäftigen. Diese Pseudodelegation von Verantwortung hat negative Auswirkungen auf die familiären Beziehungen: Angehörige sind keine Angehörigen mehr, sondern Co-Therapeuten. Wird dieses Engagement jedoch mit den Betroffenen diskutiert, ausgehandelt und vereinbart, wissen und spüren Angehörige, dass ihr Engagement gefragt ist. Angehörige sind Angehörige, weil so die soziale Ebene und die Ressourcen der Beziehungen genutzt werden können. Deshalb ist die Einbeziehung der Angehörigen in die Behandlung zentral und fördert positive Entwicklungen in den familiären Beziehungen.

Durch die Herausforderungen der Begleitung eines kranken Menschen kann es zu eigenen Belastungen kommen. Teils stehen auch Konflikte im Raum, wie mit bestimmten Fragestellungen umgegangen werden soll. Hier sehen Angehörigen in der Schweiz 28 Angehörigenberatungsstellen zur Verfügung. 2020 wurden insgesamt gut 3200 Beratungen erbracht. Durch diese individuellen Beratungen konnten die Angehörigen in der Verbesserung von Problemlösekompetenzen profitieren, einerseits durch klare Handlungsschritte, andererseits auch in der Haltungsfrage, wie sie dem erkrankten Familienmitglied begegnen möchten. Das direkte Ansprechen von Bedürfnissen und Grenzen hilft die Kommunikation zu verbessern und Konflikte zu klären.

Einen herzlichen Dank allen betreuenden Angehörigen für ihr wertvolles Engagement.

Thomas Lampert, Co-Präsident NAP

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